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Aachen/Berlin, 27. November 2017

Erwartungen an EU-Afrika-Gipfel

MISEREOR fordert Revision der Wirtschaftspartnerschaftsabkommen und Bildungsoffensive für afrikanische Jugend

Vor Beginn des Gipfeltreffens zwischen der Europäischen und der Afrikanischen Union am 29. November in Abidjan, Elfenbeinküste fordert MISEREOR Bundeskanzlerin Merkel auf, ihr Versprechen einzulösen und sich auf dem Gipfel für gerechte Handelsbeziehungen und faire Investitionspartnerschaften zwischen EU und Afrikanischer Union einzusetzen.

(Aachen/ Berlin, 27. November 2017) „Nach wie vor werden afrikanischen Ländern politische Maßnahmen auferlegt, die vor allem im Interesse der EU-Staaten sind und nicht dazu beitragen, den Kontinent aus der sozialen und ökonomischen Krise und aus der Abhängigkeit herauszuführen“, kritisiert Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. Insbesondere die bestehenden Wirtschaftspartnerschaftsabkommen, die so genannten Economic Partnership Agreements (EPA) würden ohnehin starke Akteure wie Deutschland begünstigen, während afrikanische Länder weniger oder gar nicht von den Vereinbarungen profitieren. 

Ungleiche Partnerschaft hemmt Entwicklung

„Viele Länder in Westafrika oder im südlichen Afrika  müssen Nachteile hinnehmen, weil sie sich gezwungen sehen, ihre Märkte für Exporte aus der EU zu öffnen“,  so Spiegel weiter. Doch Lebensmittel wie Milchpulver, Tomatenpaste, Geflügel oder Schweinefleisch würden vielerorts die Produkte von Kleinbauernfamilien von den lokalen Märkten verdrängen und diese zerstören. Spiegel betont: „Wer der afrikanischen Jugend Beschäftigungsperspektiven eröffnen möchte, wie es ja das erklärte Ziel des Gipfels ist, muss für den Schutz und die Stärkung regionaler Märkte sorgen. Wir fordern deshalb Bundeskanzlerin Merkel auf, sich für eine grundlegende Revision der EPAs einzusetzen. Das Ziel sollten faire Handelsformen sein, die das nationale und lokale Potential unterstützen.“

Verantwortliche Investitionen fördern Beschäftigung und Produktivität

Nachbesserungsbedarf besteht aus Sicht von MISEREOR auch bei den gemeinsamen Investitionsinitiativen, die beispielsweise im Rahmen des ‚Marshallplans‘ oder des ‚Compact with Africa‘ angestoßen wurden. Diese fördern vor allem Privatinvestitionen in Infrastruktur oder in Großprojekte im Energiesektor und sollen damit mehr Arbeitsplätze schaffen. Hauptarbeitgeber in Afrika sind jedoch Kleinstunternehmen und Familienbetriebe. „84 Prozent der Erwerbsbevölkerung arbeiten im so genannten informellen Sektor, also zum Beispiel in Garküchen, als Schuhputzer oder Straßenverkäufer“,  erklärt Spiegel. „Ein hohes Wirtschaftswachstum oder der Zufluss von ausländischen Investitionen führt deshalb nicht automatisch zu mehr Beschäftigung.“

Besonders besorgniserregend ist die Situation junger Menschen. Die Arbeitslosigkeit ist bei ihnen dreimal höher als bei Erwachsenen. Allein in Äthiopien strömen jedes Jahr eine Million junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, die noch nicht einmal die 10. Klasse abgeschlossen haben. „Investitionen können deshalb nur für mehr Beschäftigung sorgen, wenn zeitgleich die Qualität von Bildung und Berufsbildung gefördert und heimische Handwerksbetriebe und traditionelle Ladengeschäfte unterstützt werden“, so Spiegel. „Außerdem gehört zu verantwortlichen Investitionen der seit Jahrzehnten geforderte verbindliche Schutz von Menschenrechten,  von Arbeits- und Umweltstandards und eine aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft.“

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Kontakt

Mehr Informationen

Unsere MISEREOR-Expertinnen und Experten stehen Ihnen für Interviews und Informationen zum EU-Afrika-Gipfel gerne zur Verfügung!

Maria Klatte, Abteilungsleiterin Afrika und Naher Osten

Dr. Klaus Schilder, Referent Verantwortliches Wirtschaften, Ansprechpartner um Thema Privatinvestitionen

Kerstin Lanje, Referentin für Welthandel und Ernährung, Ansprechpartnerin zum Thema Wirtschaftspartnerschaftsabkommen